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Das Future Skills Manifest 
Der neue Wohlstand 
Das neue Zukunftsfundament

Warum ein Manifest?​​

Wenn wir im Alltag etwas als „manifest“ bezeichnen, dann wollen wir damit zum Ausdruck bringen, dass das, worüber wir sprechen, doch „offenkundig“ sei, „augenfällig“, „unübersehbar“, „einleuchtend“, „spürbar“, „entschlüsselt“, „erwiesen“, „handfest“, „eindeutig“ – so der Duden.

Wenn wir hingegen von einem „Manifest“ sprechen, verbinden wir damit fast das Gegenteil: Ein Manifest will zwar, dass etwas für möglichst viele Menschen einleuchtend und offenkundig wird. Aber das, was ein Manifest anspricht, ist zu diesem Zeitpunkt gerade noch nicht „unübersehbar“ und „spürbar“ und „eindeutig“ in seiner Bedeutung für unser Leben und unsere Zukunft. Gleichzeitig haben Manifeste in der Regel den Anspruch, etwas „erwiesenermaßen“ und „einleuchtend“ revolutionär Verheißungsvolles in Richtung einer tiefgreifend neuen Dimension einer besseren Zukunft und eines neuen Wohlstandsfundaments für möglichst viele Menschen „handfest“ zu „entschlüsseln“.

Wie passt das zusammen: offenkundig, nicht offenkundig, dafür aber verheißungsvoll?

Das Phänomen, das alle drei Elemente zusammenbringt, beschrieb der Literat Fjodor Dostojewski mit der Metapher „Der Elephant im Raum“. Er bezog sich dabei auf eine Story eines anderen Literaten über einen Museumsbesucher, der sich dort ausschließlich auf die kleinsten Exponate fokussiert und dem dabei das schönste und größte Exponat, ein aufwändig präparierter Elefant, entgeht.

Wenn wir nun beispielsweise den erfolgreichsten Forscher fragen, der sich seit Jahrzehnten mit den ganz großen Veränderungswellen in der Neuzeit – von der Dampfmaschine bis zur Digitalisierung – beschäftigt, was denn nun die nächste fundamentale Veränderungswelle ist, dann ist seine klare, wenn auch für viele (noch) sehr überraschende Antwort: Es sind die zutiefst humanen und sozialen Kompetenzen von uns Menschen. Genau diese sind der große und zudem wohl bisher eindeutig schönste „Elephant im Raum“ unserer Wahrnehmung:

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Warum nun „das zutiefst Menschliche“ zu unserer besten Zukunft wird

Erik Händeler veröffentlichte 2003 die Erstauflage von „Die Geschichte der Zukunft“, die seither in zahlreichen Aktualisierungen erschien und zum Standardwerk wurde über die großen „Kondratjeff-Zyklen“, wie die fünf bisherigen fundamentalen „Industriellen Revolutionen“ seit 1780 allgemein genannt werden. Bei einem Online-Vortrag am 15. September 2022 im Rahmen der monatlichen WeQ Inspirations erläuterte er, weshalb der „6. Kondratjeff-Zyklus“ einen völlig anderen Charakter hat als alle vorherigen.

Alle bisherigen der fünf größten Entwicklungsrevolutionen basierten auf bahnbrechenden 

technologischen Innovationen. Jede dieser fünf technologischen Innovationen von der Dampfmaschine (standardisierbare Arbeitsprozesse wurden dadurch maschinell revolutionär beschleunigt) über die Eisenbahn (Transporte wurden dadurch revolutionär beschleunigt), dann die Elektrizität (durch die die Produktion in großen Massen revolutionär beschleunigt wurde) und dann die Automobilität (durch die die individuelle Mobilität revolutionär beschleunigt wurde) bis zur Digitalisierung (die die Vernetzung von allem mit allem metarevolutionär beschleunigte) überwanden den zu ihrer Zeit jeweils größten Engpass zu einer weiteren Entwicklungsdimension. Sie lösten den jeweiligen entscheidenden Knappheitspunkt auf.

Der heute entscheidende Knappheitspunkt ist nicht länger technologischer, sondern menschlicher Natur. Es geht auf allen Ebenen in Unternehmen und in unserer Gesellschaft um die Qualität unserer Zusammenarbeit, um den Wechsel von IQ-Orientierung zu WeQ-Denken und -Handeln, zu kollaborativen menschlichen Werten, Haltungen und Kompetenzen.

„Nur durch eine umfassende neue Kultur der Zusammenarbeit sind wir individuell bis global zukunftsfähig. WeQ ist der Kern“

– so die Schlussfolgerung von Erik Händeler. Und diese Erkenntnis setzt sich derzeit gleichzeitig in allen Sektoren der Gesellschaft mit erstaunlicher Beschleunigung durch.

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Menschliche „Future Skills“ – Das Alphabet des 21. Jahrhunderts

Lesen und Schreiben waren die Grundvoraussetzung für die Entwicklung menschlichen Fortschritts und Wohlstands in den vergangenen Jahrhunderten und für die zuvor beschriebenen großen Entwicklungswellen. Im digitalen Zeitalter und Zyklus kamen und kommen immer mehr und dringlicher digitale Kompetenzen hinzu als ebenso zukunftsentscheidend wie einst Lesen und Schreiben. Die Digitalisierung vernetzt letztlich alles mit allem – eine vollkommen neue Welt tut sich durch das so genannte „Internet of all things“ auf. 

 

Aber noch mehr: Die Digitalisierung vernetzt auch alle mit allen. Durch das „Internet of all human beings“ können wir unseren Austausch inzwischen grundsätzlich auf die gesamte Menschheit ausweiten. Selbst die unterschiedlichsten Sprachen sind dafür kein grundsätzliches Hindernis mehr. Die Technologie dafür ist längst erfunden und es ist nur noch eine Frage sehr kurzer Zeit, dass diese allem zum spielend leichten Gebrauch zur Verfügung steht.

Nicht alle Menschen müssen zu Programmierer:innen werden, aber wir alle müssen den Umgang mit digitalen Kompetenzen lernen – von „digitaler Souveränität“ bis „Medien- und Recherchekompetenz“ und einigem mehr.

 

Aber sind dies die wirklich wichtigsten „Zukunftskompetenzen“?

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Wenn wir die Erfordernisse, Möglichkeiten und Herausforderungen des digitalen Zeitalters angemessen „lesen“ (im Sinne von verstehen) und „schreiben“ (also konkret umsetzen und gestalten) wollen, bedarf es einer weit tiefergehenden Ebene von Future Skills. Wir bezeichnen diese als „Life Skills“, als „Lebenskompetenzen“ oder „Lebens-Schlüsselkompetenzen“.

 

Die kürzeste und trefflichste Definition, was damit gemeint ist, stammt von Sir Ken Robinson, dem weltweit angesehensten Kreativitäts- und Bildungsvordenker: „Imagination is what makes us human“. Er fasst dabei „Imagination“ – die menschliche Vorstellungskraft – als die Mutter all jener Kompetenzen auf, die den Menschen zum Menschen machen.

Dieses Verständnis passt zu jenem, was das Silicon Valley schon ziemlich früh als die eigentliche Ursache für die dortige Kreativitätsexplosion erkannte. Die Region, die zum Inbegriff für das digitale Zeitalter wurde, identifizierte vier „ur-menschliche“ Future Skills als unbedingte Voraussetzung und alles andere überragende Schlüsselkompetenzen für die dort aufgeblühte Innovationskraft: Creativity, Collaboration, Communication und Critical Thinking. Diese wurden als „die vier C’s-DNA“ des digitalen Zeitalters bekannt.

Von daher dürfte es bereits klar sein: Eine Verkürzung von „Future Skills“ auf digitale Kompetenzen wäre ein Kardinalfehler. Doch die Erkenntnis, was alles in den Kreis der universell zukunftsentscheidenden „Future Skills“ gehört, hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten über die vier ersterkannten „Kompetenzen-DNA’s für das digitale Zeitalter“ erheblich ausgeweitet. Diese lassen sich – neben den unmittelbar digitalen Kompetenzen – so zusammenfassen:

Es sind die persönlichen, sozialen und lebenspraktischen Kompetenzen, die die Grundvoraussetzung für das Lesen und Schreiben gelingender guter Zukunft in allen Lebensbereichen darstellen.

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Future Skills als die neue Dimension ganzheitlichen menschlichen und planetaren Wohlstands

Die Digitalisierung und die damit noch einmal erheblich erweiterten Möglichkeiten zur Automatisierung tragen das Potenzial in sich, den Menschen von so vielen routinemäßigen Tätigkeiten zu befreien wie nie zuvor. Der Futurist Gerd Leonhard knüpft daran diese Perspektive:

 

„Alles, was nicht digitalisiert und automatisiert werden kann, wird extrem an Wert gewinnen“, konkret die „rein menschlichen Eigenschaften wie Kreativität, Vorstellungskraft, Intuition, Emotion und Ethik.“

Sie sind die Antwort, dass wir nicht von digitalisierter künstlicher Intelligenz gesteuert werden, sondern wir sie steuern können und erfolgreich menschlich steuern werden. In unserem Alltag wie auch als global vernetzte Gesamtgesellschaft. Dies bedeutet:

Für jedes humane, soziale, organisatorische oder ökosystemische Kernziel einer guten Zukunft bilden die menschlichen Lebens-Schlüsselkompetenzen unter den „Future Skills“ die entscheidenden Faktoren.

In einem klugen Zusammenspiel mit den digitalen Schlüsselkompetenzen bilden die menschlichen Schlüsselkompetenzen die Grundlage für eine tiefgreifend neue Wohlstands-, besser Wohlergehens-Perspektive 3.0.

Technologisch basierter Wohlstand 1.0 mutiert durch eine gesamtgesellschaftlich erfolgreiche Orientierung auf Future Skills Wohlergehen 3.0 am sichersten und schnellsten zu einem Green Tech Wohlergehen 2.0 und ein dreifach exponentielles Wohlergehen: menschlich, ökologisch und ökonomisch.

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Wenn wir auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz und digitaler Vernetzung von allem mit allem (dem „Internet of All Things“) den Menschen als entscheidendes und Entscheidungen treffendes Wesen erhalten wollen, gelingt dies am besten und nachhaltigsten durch eine Bildungs- und Potenzialentfaltungsrevolution der Lebens-Schlüsselkompetenzen.

Wenn wir das Leben der Ökosysteme in den Mittelpunkt menschlicher Achtsamkeit und Innovationsentwicklung rücken wollen, gelingt dies ebenfalls am wirksamsten, indem wir die Lebenskompetenzen des Menschen für seinen Umgang mit den Lebensprinzipien der Ökosysteme ins Zentrum rücken.

Wenn wir unser persönliches Wohlergehen wie auch unseren gesamtgesellschaftlichen Wohlstand nachhaltig weiterentwickeln wollen, so werden auch hierfür unsere „Life Skills“ zum entscheidenden Gelingensfaktor. Zum einen erschließt uns – wie zahllose Studien eindrucksvoll belegen – jedes einzelne Lebenskompetenzen-Wachstum außerordentlich bereichernde nicht-materielle Wohlergehens-Dimensionen. Einmal hinreichend kennen-, leben- und schätzengelernt, werden wir diesen Reichtum nicht mehr missen wollen. Zum anderen werden wir auf dieser Grundlage auf der Ebene materieller Wohlstandsprodukte deutlich mehr auf deren ökologische Nachhaltigkeit und gesamtsystemische Sinnhaftigkeit achten.

Wenn Unternehmen motivierte, agile, kollaborative und insgesamt hochgradig nachhaltig zukunftskompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden bzw. halten möchten, um mit diesen innovationsstark und resilient zukunftsfähig zu bleiben, so sind sie nicht nur auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit guten digitalen Kompetenzen angewiesen, sondern ungleich stärker auf deren Fortentwicklung ihrer menschlichen Lebensschlüsselkompetenzen.

Wenn wir uns eine agile Zivilgesellschaft in deutlich partizipativer und kollaborativer aufgestellten Demokratien wünschen, sind die kluge und offensive gesamtgesellschaftliche Förderung des Erwerbs von Lebensschlüsselkompetenzen die beste Gewähr dafür.

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Das Beispiel menschlicher Imaginationskraft – „Imagination ist alles“

Die „Lebensschlüsselkompetenzen“ sind also in allen Bereichen menschlichen Lebens und Wirkens „das Alphabet guten und gelingenden Lebens“.

Sie sind der Kern einer umfassenden und tiefgreifenden neuen Hoffnungsgeschichte.

Sie sind im besten Interesse aller Menschen.

Und sie sind der beste und sicherste Weg, dass die Wende zur Zukunftsfähigkeit für alle Akteure in allen Systemen und für alle großen Herausforderungen der Gegenwart gelingt.

Aber es bleibt die Frage, wie tief die oben angesprochenen Lebensschlüsselkompetenzen unsere Lebensgestaltungsfähigkeit verändern können, ferner wie schnell, wie leicht, wie nachhaltig?

Um dies zu beantworten, müssten wir in jede einzelne dieser Future Skills hineinschauen und letztlich – deren Wirkung persönlich erfahren. Dies geht in einem eher kurz gehaltenen Manifest nicht wirklich. Hier an dieser Stelle sei nur an einem Future-Skills-Beispiel – der Imaginationskraft – kurz angesprochen, wie unvorstellbar revolutionär deren Entfaltung für das menschliche Denken und Wirken ist.

Als John Lennon im September 1971 seinen legendären Song „Imagine“ präsentierte, war dies ein Manifest über die einzigartige Kraft menschlicher Imagination, menschlicher Träume, menschlicher Gestaltungsfähigkeit für Ziele wie Frieden, keine Grenzen, kein Hunger, keine Gier und mehr. Zu jedem dieser „Imagine“-Ziele setzte er als Refrain: „You may say I’m a dreamer. But I’m not the only one. I hope someday you’ll join us. And the world will be as one.“ In einem Interview erklärte er, was aus seiner Sicht das einzige und eigentliche Problem“ sei auf dem Weg zu einer menschlichen Welt: „Wir sind uns nicht bewusst, dass wir sie bekommen können, sobald wir als Menschen dies wollen.“ 

 

Walt Disney formulierte: „If you can dream it, you can do it.“ Zu keiner anderen menschlichen Fähigkeit gibt es vergleichbar starke Statements wie zur menschlichen Vorstellungspower. Einige Beispiele, stellvertretend für Tausende:

„IMAGINATION

„is everything. “ Anatole France

„…is what makes us human.“ Sir Ken Robinson

„…is the beginning of creation. “ George Bernard Shaw

„…is the eye of the soul. “ Joseph Joubert

„…is the foundation of all invention und innovation. “ J.K. Rowling

„…is the strange power we have of changing facts. “ Virginia Woolf

„…encircles the world.” Albert Einstein

Was macht unsere Vorstellungskompetenz zur „Basis jeglicher Erfindung und Innovation“, zur „seltsamen Macht, die wir haben zur Veränderung von Gegebenheiten“, zum „Auge der Seele“? Warum sollte sie gar das sein, „was uns zum Menschen macht“?

Albert Einstein beschreibt dazu das Verhältnis von Wissen zu Imagination: „Wissen ist begrenzt. Imagination umkreist die Welt.“ Und er folgert daraus: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Wissen, so wichtig und wertvoll es ist, ist lediglich Momentaufnahme in der Evolutionsgeschichte menschlicher Vorstellungsentfaltung. Überall, wo wir im ganz Kleinen und Persönlichen oder im ganz Großen und die gesamte Welt Verändernden unsere bisherige Denkweise verändert und unsere Vorstellungskompetenz erweitert haben und erweitern, trugen und tragen wir zu der Evolutionsgeschichte der Menschheit bei, denn diese ist in ihrem Kern eine Geschichte der fortdauernden Überwindung von Denkweisen, Vorstellungen, Wissen und Gewissheiten.

Und die besten Nachricht des Future-Skills-Zeitalters ist:

Diese Imaginationskraft kann jeder Mensch unendlich viel leichter und unvorstellbar viel stärker entwickeln als wir dies (zumindest anfangs) für möglich halten. WIR ALLE können lernen, unsere Vorstellungs- und Umsetzungskraft zu revolutionieren.

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Future Skills – die not-wendende Hoffnungsgeschichte

Und Future Skills sind noch mehr: Sie sind die lebenspraktische Umsetzung des Kerns der grundlegenden Kulturwende im 21. Jahrhundert, den das WeQ Institute entdeckte, als es in mehreren Studien 2014/15 mehr als 200 bahnbrechend neue und je einzeln bereits weltverändernde Zukunftstrends wie Open Space, Co-Creation, Open Innovation, Design Thinking, Wiki, Circle Economy oder Impact Investing untersuchte. Diese neue Generation von Trends unterscheidet sich von früheren signifikant durch deutlich mehr gesamtsystemisches Denken und deutlich kollaborativeres Handeln. Weitere Forschungen bestätigten diese Merkmale als Metatrend des 21. Jahrhunderts, dem wir den Namen „WeQ“ im Sinne von „More than IQ“ gaben.

Dass es dringlichst eines weltweiten Durchbruchs gesamtsystemischen Denkens und kollaborativen Handelns braucht, setzt sich inzwischen selbst in der globalen Wirtschaft immer vehementer als Erkenntnis durch.

„Wir können nicht mit einem Wirtschaftssystem weitermachen, das von egoistischen Werten angetrieben wird… Stattdessen brauchen wir eine Gesellschaft, Wirtschaft und internationale Gemeinschaft, die darauf ausgerichtet ist, für alle Menschen und den gesamten Planeten zu sorgen.“

Todd Khozein, einer der Repräsentanten einer bereits radikal umdenkenden Generation von Unternehmensberatern, sieht in „collaboration the next competition“. Der neue „Wettbewerb“ entscheidet sich nicht länger an der „Wettbewerbs-„, sondern an der „gesamtgesellschaftlichen Kollobarations-Intelligenz“ von Unternehmen. Todd Khozein ist der Erfinder eines der erfolgreichsten Formate für diese Qualität der Zusammenarbeit: der Hackathons.

Gesamtsystemisches Denken und „collaboration is the next competition“ gilt für alle zukunftsrelevanten Trends, für alle hoffnungsstiftenden Zukunftsideen und -innovationen, für die Zukunftsfähigkeit jeglicher Organisation sowie für die neue Qualität von Lernen. 

 

Kollaborative menschliche Future Skills auf der Grundlage von gesamtsystemisch orientierten Werten und Haltungen sind für all dies das entscheidende Zukunftselizier, die entscheidenden Zukunftskompetenzen.

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Von der Wissens- zur Kompetenzgesellschaft

Die OECD als weltweit bedeutendste Bildungseinrichtung und deren Bildungsdirektor Andreas Schleicher bezeichnen sehr bewusst die Zukunftskompetenzen schon seit einiger Zeit als „die neue globale Währung“. Denn von ihnen, so Schleicher, hängen „Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit“ ab sowie „Neugier und Wissendurst, Mitgefühl und Mut“ – und zwar durch „die Fähigkeit, unsere kognitiven, sozialen und emotionalen Ressourcen zu mobilisieren“. Diese „werden unsere besten Waffen gegen die größten Bedrohungen unserer Zeit sein.“

Der renommierte Gehirnforscher Gerald Hüther – einer der Co-Creatoren dieses Praxisbuchs – fasst den alles überragenden Stellenwert der Lebenskompetenzen so zusammen:

„Das zutiefst Menschliche in uns zu entwickeln ist die zentrale Aufgabe im 21. Jahrhundert.“

Wissen wird zwar auch im 21. Jahrhundert keineswegs an Bedeutung verlieren, aber der Zugang zu Wissen wird durch zwei Faktoren erheblich erleichtert und verbessert: 

 

Zum einen wird er radikal erleichtert durch digitale Wissens- und Lernangebote (Google weiß alles und Lernplattformen vermitteln immer mehr alles in passender Weise für jeden Menschen und in jeder Lebensphase). Salman Khan, der Erfinder und Entwickler der ersten digitalen Lernplattform, der Khan Academy, artikulierte bereits 2012 auf der Grundlage seiner Erfahrungen das „Grundrecht auf beste (Wissens-)Bildung für alle“ und zugleich das „Grundrecht auf vollständiges Verstehen allen erworbenen Wissens für alle“. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass sich mit seinen digitalen Angeboten sowohl dieGeschwindigkeit und Leichtigkeit wie auch die Tiefe des Verstehens beim Wissenslernen radikal veränderten. 

 

Zum zweiten wird klassisches Wissenslernen fundamental erleichtert und vertieft durch jede einzelne aller „Life Skills“. Denn jede der Lebenskompetenzen vertieft und vernetzt jegliches Wissen und erzeugt damit eine grundlegend neue Qualität von systemischem Verstehen und Anwenden von Wissen. Jede menschliche und zwischenmenschliche Lebenskompetenz vertieft insbesondere die kollaborative Kompetenz aller – in jedem Lernprozess wie in jedem Umsetzungsprozess von Gelerntem, also beispielsweise durch Teamlernen oder Peer-to-Peer-Lernen sowie durch Praxislernen in Projekten.

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Der schönste und wertvollste Beruf im 21. Jahrhundert

Wie wichtig Wissenserwerb für jeden Menschen ist und ebenso für jede Gesellschaft als Grundvoraussetzung für deren Zukunftsentwicklung und Wohlstand, setzte sich im 20. Jahrhundert als Grunderkenntnis weltweit durch. Dementsprechend wurde der Zugang zu Wissen 1948 zum Allgemeinen Menschenrecht erklärt. Die Staaten nahmen nach und nach alle die Bereitstellung der Voraussetzungen für Wissenserwerb in der Breite und Tiefe als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an. 

 

Für das 21. Jahrhundert brauchen wir entsprechende Weichenstellungen für den nächsten überfällig notwendigen und not-wendenden Schritt zu einer umfassenden Kompetenzen-Bildung. Future Skills Bildung mit ihrem Kern der Lebensschlüsselkompetenzen, des Praxislernens und der kollaborativen Lernwege (siehe oben) muss zum Kern des neuen Verständnisses des universellen Menschenrechts auf Bildung werden. Doch die damit verbundene tiefgreifende Weiterentwicklung und Transformation von Lernen und Leben muss ungleich schneller gemeistert werden als bei der Etablierung allgemeiner Wissensbildung. Der Grund: Der Haupteffekt der Digitalisierung ist die parallele und gleichzeitige exponentielle Beschleunigung nahezu aller Entwicklungen in der Welt.

Das betrifft insbesondere die exponentielle Beschleunigung von Wissen und dessen immer kürzerer Halbwertszeit. In einem technisch orientierten Studium ist bereits heute im dritten Semester die Hälfte des bis dahin Gelernten überholt. Fakten wie diese aus der digitalen Beschleunigungswelt werden in dem 2007 gestarteten weltweiten Erfolgsvideo „Did you know“ jährlich upgedatet und ergänzt. Sie führen immer schärfer zur immer selben Kernfrage:

„Wie können wir uns in einer solchen Welt vorbereiten für eine Zukunft mit Jobs, die noch nicht existieren, für Technologien, die noch nicht erfunden sind, für die Lösung von Problemen, von denen wir noch nicht wissen, dass sie entstehen werden?“

Der Pionier moderner Managementlehre Peter Drucker erkannte schon vor zwei Jahrzehnten: „Die einzige Kompetenz, die im 21. Jahrhundert wichtig sein wird, ist die Kompetenz, neue Kompetenzen zu lernen. Alles andere wird mit der Zeit obsolet werden.” Was nicht obsolet wird, sondern unverzichtbar und immer wertvoller für alle – ob als Individuum, als Organisation, als Unternehmen oder als Gesellschaft – sind zukunftstaugliche Werte, Haltungen und Kompetenzen.

Die lehrenden und lernbegleitenden Berufe werden sich unweigerlich dementsprechend tiefgreifend weiterentwickeln müssen. Die Qualifikation multipler Lernbegleitung wird erheblich an Bedeutung gewinnen und das heutige Berufsbild von Lehrerinnen und Lehrern wird sich deutlich in Richtung Lernbegleitende bzw. Lerncoaches verschieben. Die Verknüpfung von Wissen und Kompetenzen in den Lernprozessen für das 21. Jahrhundert wird alle diese entsprechend fortentwickelten Berufe zu den wichtigsten, attraktivsten und wertvollsten im 21. Jahrhundert werden lassen. Die Wertschätzung dieser Berufe in der Gesellschaft einschließlich deren Honorierung wird sich entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Schlüsselbedeutung von Future Skills Learning skalieren.

Und alles andere als nebenbei: Die zu Lernbegleitende und Lerncoaches sich transformierenden heutigen Lehrberufe werden sich von den burnout-gefährdetsten zu den schönsten aller Berufe entwickeln. Warum? Weil es zu ihrem fortentwickelten Berufsprofil gehört, die zutiefst menschlichen Schlüsselkompetenzen besonders intensiv selbst zu lernen, einschließlich der Kunst von deren Weitervermittlung.

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Starten wir jetzt die Future-Skills-Bewegung!

Die hier beschriebenen Grundlearnings für das digitale Zeitalter sollten uns zu dieser Konsequenz und zu diesem Handlungswillen führen:

Etablieren wir Future Skills als Thema und Aufgabe der nächsten gesamtgesellschaftlichen Bewegung!

Die Future Skills Bewegung steht in ihrer Bedeutung den bisher größten Bewegungen wie beispielsweise der globalen Umweltbewegung in nichts nach. Verlieren wir keine Zeit. Starten wir JETZT.

Sehr viel Wesentliches ist schon vorbereitet:

  • Beispielsweise eine erstaunlich große und lebendige Community von Initiativen und Stiftungen, Start-ups und großen etablierten Einrichtungen, die die gezielte Förderung von FUTURE SKILLS zu ihrer zentralen Aufgabe gemacht haben und Future Skills Audios, Lernmedien, Formate, Ausbildungen, Prototypen und Inkubatoren entwickelt haben

  • Beispielsweise kreative Kampagnen wie #wirfürschule – einem Hackathon mit Tausenden von Teilnehmenden in Deutschland zur Entwicklung konkreter Vorschläge und Projekte für eine Future Skills orientierte Bildungswende – oder die Frei Day Initiative, deren Ziel die Etablierung eines vierstündigen Zeitblocks pro Woche in allen Schulen ist für selbstgewählte und selbstgesteuerte Zukunftsprojekte im Sinne einer nachhaltigen Welt.

Die Idee, JETZT daraus eine weltweite und universelle Bewegung hervorgehen zu lassen für den gesamtgesellschaftlichen Durchbruch von Future Skills, entstand im Sommer 2021. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass ein wichtiger Schritt dazu gelingen wird:

69 renommierte und besonders praxisstarke Pionierinnen und Pioniere aus dem deutschsprachigen Raum für 30 zukunftsentscheidende Kompetenzen hatten sich zusammengetan, um ein großes FUTURE SKILLS Praxisbuch zu realisieren. Dieses erschien im September 2021 (Abb. siehe weiter oben). Der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bezeichnete dieses als „einzigartig in seiner Qualität eines echten Praxisbuchs für Future Skills“ und meinte: „Damit können Lernende und Lehrende zu Entfaltenden der eigenen Potenziale und zu Zukunftsgestaltenden werden. Für und bei sich selbst. In Teams, in Organisationen, in der Gesellschaft.“ Und der erfahrene Personalvorstand von fünf Dax-Unternehmen und heutige Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Sattelberger, meinte: „Es braucht die Propheten der Zukunft, die Überzeugungstäter in der Bildung, die Prototypen-Pioniere neuer Bildungswelten. Und die Autorinnen und Autoren dieses Werks gehören alle dazu.“

Dieses Future Skills Praxisbuch rief die Wirkungen hervor, die die Initiatoren sich erhofft hatten:

  • Das Konzept, jede der 30 beschriebenen Future Skills so zu schreiben, dass jede und jeder unmittelbar die Erfahrung machen kann, wie leicht jede und jeder diese Lebens-Schlüsselkompetenzen lernen kann. Die ersten Feedbacks reichten von „unfassbar viel Substanz“ über „genial“ bis „selten so schnell gelernt“ und „ein fantastisches Coaching-Meisterwerk“, durch das alle „mit 69 Umsetzungspionier:innen als persönliches Coaching-Team an ihrer Seite ihren ganz individuellen Einstieg in diese neue Lerndimension finden werden“

  • Dementsprechend fand es unmittelbar ein weites Spektrum für seinen Praxiseinsatz – von der individuellen morgendlichen kapitelweisen Frühstückslektüre über Teambildungen in Regionen oder Organisationen zum Peer-to-Peer-Lernen durch die Future Skills Welten bis zum Einsatz als „Pflichtlektüre“ für alle Lehrenden  an Bildungseinrichtungen für den gemeinsamen Weg zur Einrichtung von Future Skills als „Studium Generale“.

  • Und es erzeugte in jeglichem Lebensbereich des Lernens – von Kita-, Schul- und Hochschul- bis VHS- und Unternehmens-Netzwerken – deutliche Aufbruchstimmung in Richtung einer Future Skills Bewegung, verbunden mit der entsprechenden Motivation, dafür zu einer sich wechselseitig befruchtenden gemeinsamen „Learning Community“ zusammenzufinden.